Über uns


Das Interview


Wir treffen Renata im Garten des Hauses wo sie wohnt zwischen Bern und Thun, unweit von den sanften Hügeln des Emmentals, wo sie es liebt, einen Gemüsegarten und Blumen zu pflegen.


Sie ist eine waschechte Italienerin: geboren und aufgewachsen in Italien, in der Nähe von Venedig, atmet sie schon als Kind Musik. Ihr Vater war Organist, Akkordeonist,

Blasmusik- und Chorleiter und die Mutter eine sehr begabte Sängerin. Aus jener Zeit Ihrer Kindheit erzählt uns Renata, wie sie, während er in der Kirche die Orgel spielte, neben ihrem Vater sass und bereits im Alter von vier Jahren für den Registerwechsel zuständig war.


Und schon damals hatte sie die Bedeutung des zu einem bestimmten Zeitpunkt entwickelten musikalischen Ausdrucks realisiert, der den Unterschied zwischen der wahren Interpretation und einer bloss didaktischen Ausführung ausmacht. Ihr Talent erlaubt ihr die Beherrschung mehrerer Musikinstrumente und sie besitzt eine

angeborene Gabe für die Leitung und den Unterricht, sei es von Kindern, Erwachsenen

oder Senioren, Profis oder Amateuren. Derzeit ist sie mit einer Akkordeon-Gruppe

beschäftigt, dem Harmonika-Orchester Steffisburg.


Frage: Renata, Handorgel-Orchester sind sehr verbreitet in der Schweiz: Worin unterscheidet sich Ihres von den anderen?

Antwort: Das Repertoire und die Interpretation. Von Anfang an wollte ich die „mediterrane Wärme“ meines Stils einbringen, indem ich Titel aus allen Musikrichtungen arrangierte, sowohl von Pop über Rock und Latin, bis zu klassischen und volkstümlichen Themen und für bestimmte Gelegenheiten auch liturgische Musik. Die Wahl trifft Musikstücke, die eine erkennbare Melodie haben: ich mag die Autoren nicht, die bei den Arrangements auf technischen Spielereien und Dissonanz bestehen, die den Zuhörer meistens kalt lassen. Am Ende sollte sich das Publikum leicht und möglicherweise erfreut fühlen, mit dem Orchester interagiert und an etwas Schönem und Lebendigem teilgenommen zu haben.

 

Frage: Wenn sich verschiedene Kulturen begegnen, entsteht ein Geben und Nehmen zwischen den beteiligten Elementen, zum Vorteil der Integration und des Zusammenlebens. Woran musste sich die Gruppe mit deiner Wahl zur Leiterin anpassen?

Antwort: Als ich den Auftrag akzeptierte, verlangte ich drei Grundbedingungen:

1.Bass spielen, 2. keine Hemmungen, 3. keinen Stress. Das heisst, Einsatz der Bässe, keine Schüchternheit oder Leistungsdruck,

nur den Wunsch, musikalisch zu wachsen und mit Freude spielen. Ich bin mir bewusst, dass das Spielen mit Bässen viel anspruchsvoller ist, aber die persönliche Befriedigung, die daraus hervorgeht, stimuliert den Musiker viel mehr, während der Sound mehr Emotionen beim Zuhörer auslöst.

 

Frage: Und worauf hast Du verzichtet, um sich ihnen anzupassen?

Antwort: (Lacht lautstark) Auf meine faulen Sprüche und die bunten Redensarten des

venezianischen Dialekts! Die sind leider nicht übersetzbar! Es ist meine Art, mit einem Spruch Situationen zu verharmlosen, vor allem, wenn es darum geht, dicke Luft aufzulösen. Spontan kommt mir der Spruch auf venezianisch, aber wenn jemand das zu übersetzen versucht, stelle ich fest, dass der ironische Sinn bei der Uebersetzung verloren geht.

 

Frage: Wie kommt es, dass in einem vor 70 Jahren für Akkordeons gegründeten Orchester auch andere Arten von Instrumenten mitwirken?

Antwort: Ich liebe die Vermischung und bin gegen ungeschriebene Regeln, die Veränderungen und neue Erfahrungen verhindern. Die Blas- und Streichinstrumente tragen mit ihrer Vielzahl von Klangfarben dazu bei, die gleichförmige Grundlage der Akkordeons hervorzuheben. Was von Aussen gesehen als Fremdkörper erscheinen mag, trägt in Wirklichkeit dazu bei, einen volleren Klang zu erzeugen und das Ganze zu bereichern.

Der Aufbau des klassischen/modernen Orchesters ist das Bezugsmodell, mit dem es zu arbeiten gilt. Deshalb füge ich die Instrumente, die ich jeweils zur Verfügung habe, zusammen und versuche ihnen Geltung zu verschaffen. Bei mir ist jedes Instrument willkommen!

 

Frage: Tatsächlich sind fast alle Musikstücke, die Ihr vorlegt, von Dir arrangiert, manche sogar von Dir komponiert. Gefallen Dir die Bearbeitungen anderer nicht?

Antwort: Die Arrangements, die ich schreibe, sind in erster Linie eine Notwendigkeit:

Es gibt keine geschriebenen Bearbeitungen für eine dermassen heterogene

Formation. Jedes Stück wird auf das Potenzial der Musiker und der Instrumente die ich zur Verfügung habe, massgeschneidert. Ausserdem enthalten die Partituren für Akkordeon-Orchester in der Regel keine Bass-Linie, was für mich unverwendbar ist. Und schliesslich ist arrangieren und komponieren für mich ein grosses Vergnügen!

 

Frage: Im Jahr 1983, im Alter von nur 34 Jahren, bist Du mit dem Verdienstorden der Italienischen Republik ausgezeichnet worden. Was kannst Du uns über jene Zeit erzählen?

Antwort: In der Tat handelt es sich um eine der wenigen Anerkennungen, auf die ich

Wert lege. Nach einigen Jahren als Lehrerin der musikalischen Orientierungs-

kurse, im Alter von 27, wurde mir die Leitung der Blasmusik einer grossen Ortschaft in der Provinz Venedig anvertraut. Die Sache war schon ein Ereignis an sich, in Anbetracht des Alters und zumal ich eine Frau war (in den siebziger Jahren waren Blasmusikkapellen praktisch allein aus Männern zusammengesetzt). Nicht alle unterstützten die neue Dirigentin und einige verliessen das Orchester, weil sie die Sache nicht als angemessen betrachteten. Für mich war es hingegen nur eine Frage der Kompetenz. Und in Bezug auf diesen Aspekt hatte ich sehr klare Vorstellungen: ich hatte viel studiert, mit guten Lehrern gearbeitet und nahm meine Möglichkeiten war.

Nach der Ueberwindung des allgemeinen Misstrauens mir gegenüber folgte ein absolut denkwürdiges Jahrzehnt. Die Beteiligung der Leute um jene Gruppe war  aussergewöhnlich: Es gab keine Familie im Ort, die nicht, direkt oder indirekt, in irgendeine von oder mit der Blasmusik organisierte Aktivität oder Veranstaltung verwickelt war.

Diese starke Aufmerksamkeit hat dafür gesorgt, ständig neue Kräfte anzuziehen, die zum beeindruckenden Wachstumsrythmus der Musikschule beitrugen, bis sie zu einer stabilen Gruppe von 104 Personen (mit einem Durchschnittsalter von 25 Jahren) gewachsen und gleichmässig in Frauen und Männer aufgeteilt war und eine stetig wachsende Gruppe von Schülern.

All diese Faktoren, kombiniert mit meiner grossen Zähigkeit und Fähigkeit, ein

Team zu bilden, haben dazu beigetragen, mich für diese Auszeichnung vorzuschlagen. Für soziale und kulturelle Verdienste, heisst es in der offiziellen Formel.

Schliesslich, in diesem Zusammenhang, richte ich immer einen besonderen

Gedanken an zwei grossartige Menschen, die ihr Leben für ein gerechteres,

freieres und vereinteres Italien eingesetzt haben: meine Freundin  Tina Anselmi, die Politikerin, die zu den Anhängern meiner Kandidatur gehörte und der Präsident der Republik Sandro Pertini, der seine Unterschrift auf die cmir verliehene Auszeichnung gesetzt hat.

 

Frage: Welches sind Ihre Zielsetzungen mit dem Harmonika-Orchester Steffisburg?

Antwort: Ich habe die Führung dieser Gruppe vor vier Jahren akzeptiert, in einer Krisenzeit, in der nur noch 5 Personen dazugehörten. Die aktuelle Mitgliedschaft hat sich fast vervierfacht und das Repertoire wurde vollständig erneuert. Jetzt müssen wir uns auf die Jungen konzentrieren. Ein Gemeinplatz geht davon aus, dass junge Leute nicht interessiert sind, weil sie so viele Dinge zu tun haben und einfach nur „ihre Musik“ spielen wollen.

Ich glaube hingegen, dass sie bei entsprechender Anregung auch in Gruppen wie dieser die richtige Dimension finden können, um ihre Musikalität und Kreativität auszudrücken. Ich denke, dass dies immer ein aktuelles Bedürfnis bleibt, das alle Zeitalter und Generationen durchquert, auch die so „vernetzten“ und technologischen wie die heutige. Wie die Jungen von damals möchten auch die Jugendlichen von heute Momente miteinander teilen. Es ändert sich vielleicht die Form, aber nicht das Bedürfnis, zusammen zu sein. Deshalb müssen sich die Verbände, wenn sie weiterhin attraktiv und interessant bleiben wollen, immer wieder neu erfinden und sich von

bestimmten traditionellen Ritualen lösen, die oft eher Form als Substanz sind.

Zu diesem Punkt habe ich wenig Zweifel: Wie für jeden in jeder Epoche, gilt eine der schönsten universellen Gesetze, das der Entwicklung und Erneuerung. Ohne die kontinuierliche Hinterfragung von Form und Inhalt besteht die Gefahr des Untergangs.

 

Frage: Der Dirigent eines Orchester wird auch als „Maestro“ (Lehrer) bezeichnet.

Wie sollte Deiner Meinung nach ein guter Lehrer sein?

Antwort: (Wieder ein volles Lachen). Das ist eine schöne Frage! Ich möchte mit einer

Anekdote antworten, die tatsächlich passiert ist. Stefano war ein kleiner Junge, der die Musikschule besuchte, um die Eltern, die ihn am gesellschaftlichen und  musikalischen Leben der Musikkapelle teilnehmen lassen wollten, zufriedenzustellen. Nach ein paar Lektionen wurde das Kind immer düsterer und nachdenklicher. Ich spürte deutlich, dass die Musik nicht seine Welt war, und so kam es, dass ich ihn an einem gemeinsamen Musiktag fragte, wo er denn lieber sein wollte, statt in der Musikschule. Er antwortete mir, dass er am liebsten auf der Rollschuhbahn gewesen wäre, aber er wollte seinen Eltern nichts davon sagen, um ihre Erwartungen nicht zu enttäuschen.

Als die Eltern kamen, um ihn abzuholen, sprach ich mit ihnen. Nach jenem Gespräch kam Stefano nicht mehr in den Musikunterricht, er blieb jedoch in ständigem Kontakt mit der Gruppe. Nach nur zwei Jahren war er italienischer Meister im Inlineskaten! Siehst Du: Ein guter Lehrer versteht es, den Weg zu „weisen“ (ein Verb, das nicht zufällig ein Synonym für „dirigieren“ ist…), unabhängig davon, welcher Weg es ist.

Entscheidend ist, dass es der richtige Weg ist. Für den Schüler, meine ich.

 


Dieses Interview, welches in italienischer Sprache geführt und ins Deutsche übersetzt

wurde, zeigt auf, welche Philosophie von der Dirigentin verfolgt wird.

 

Sie versteht es wunderbar, die Mitglieder des Vereins mit ihrem Temperament und ihrem musikalischen Wissen und Können, zu motivieren und auch mitzureissen.

Nachstehend werden einige musikalische Werke aufgezeigt, welche Renata Rebeschini

für unseren Verein eigens komponiert oder bearbeitet hat:

 

 

Titel Komponist(in) Arrangeur(in)

 

Abba Tribute B. Andersson & B. Ulvaeus/ R. Rebeschini

L`amore rock Gianna Nannini /R. Rebeschini

Ave Maria no Morro Herivelto Martins  /R. Rebeschini

Baila (Sexy thing) Zucchero /R. Rebeschini

The Beatles Tribute J. Lennon-P. McCartney /R. Rebeschini

Be bop a lula G. Vincent-S.Tex Davis /R. Rebeschini

Canzone Lucia Dalla /R. Rebeschini

Chrisana R. Rebeschini

Concerto G.P. Reverberi/I. Pavesi /R. Rebeschini

Fiaccola S. Casade /R. Rebeschini

Fiesta de España Traditionell /R. Rebeschini

Granada Agustin Lara /R. Rebeschini

Kalendara Kolo Traditionell /R. Rebeschini

Kiss around the rock Adriano Celentano /R. Rebeschini

La luna e tu R. Rebeschini

Love`s themes Nino Rota/Maurice Jarre /R. Rebeschini

Luna rossa A. Vian /R. Rebeschini

Odessa Anonym /R. Rebeschini

Rosabella E. Di Lazzaro / R. Rebeschini

Salmo XVIII Benedetto Marcello /R. Rebeschini

Sex Bomb T. Rennals /R. Rebeschini

Sherele Traditionell /R. Rebeschini

Signore delle cime (Gott der Berge) Giuseppe de Marzi /R. Rebeschini

Sugar,Tango e Blues R. Rebeschini-Meldorf /R. Rebeschini

Steffisboogie R. Rebeschini

Sway P.B. Ruiz N. Gimbel /R. Rebeschini

The One Elton John /R. Rebeschini

Tina R. Rebeschini

Tu vuò fa l`Americano R. Carosone-Nisa /R. Rebeschini

La vita e bella Nicola Piovani /R. Rebeschini

Zorba Dance M. Teodorakis / R. Rebeschini

 


Diese Auswahl aus unserem Repertoire zeigt auf, wieviel Zeit und Aufwand Renata Rebeschini betreibt, um unser Orchester zum Erfolg zu führen und die Mitglieder sowie auch unsere Konzertbesucher zu begeistern.

 

Seit dem 1. Januar 2010 steht unser Verein unter der Leitung von Renata Rebeschini.

Wir sind froh und dankbar, eine so kompetente Dirigentin gefunden zu haben.

Wie man aus dem Interview ersehen kann, sind in unserem Orchester alle Instrumente willkommen, die sich mit dem Akkordeon und den Kompositionen vereinbaren lassen,  

und das sind viele. Wir sind zudem sehr experimentierfreudig und offen für alles Neue.

 

Wenn sich jemand angesprochen fühlt, darf und soll sich diese Person mit uns in Verbindung setzen.

 

Wir üben jeden Mittwoch von 20.00 Uhr bis 21.30 Uhr im Schulhaus Sonnenfeld in Steffisburg.

Sollte jemand, aus welchen Gründen auch immer, nicht jeden Mittwoch an den Proben teilnehmen können, sind diese Personen trotzdem willkommen. Dies sollte kein Grund sein, sein Instrument zu Hause verstauben zu lassen.

 

 Was uns natürlich ausserordentlich freuen würde, wäre, wenn sich Jugendliche

durch unsere Musik angesprochen fühlten und gerne bei uns mitspielen würden.

Dies ist auch ein besonderes Anliegen unserer Dirigentin.

 

Also, meldet euch bei folgenden Adressen:

 

 

Kontaktadressen:

 

Dirigentin

Renata Rebeschini

Schöneggweg 5

3110 Münsingen

031 721 58 70

zinnio2@gmx.ch

 

 

Präsidentin

Beatrice Leutwyler

Schönauweg 15

3612 Steffisburg

033 438 21 68

pap.leutwyler@bluewin.ch

 

 

Sie können sich auch bei jedem anderen Vorstandsmitglied melden.

Die Adressen der Vorstandsmitglieder finden Sie auf unserer Homepage.